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Wer sät, der erntet: Wie BLUME2000 den Fachkräftemangel mithilfe von Teilqualifikation löst

Der wachsende Bedarf an qualifizierten Fachkräften stellte BLUME2000 vor neue Herausforderungen. Mit Teilqualifikationen fand das Unternehmen einen innovativen Ansatz für die Personalentwicklung.
Die Teilnehmenden präsentieren ihre praktischen Ergebnisse der Kompetenzfeststellung nach TQ 4.

Die Teilnehmenden präsentieren ihre praktischen Ergebnisse der Kompetenzfeststellung nach TQ 4.

© Blume2000

Als BLUME2000 vor einigen Jahren die klassische duale Berufsausbildung zum/zur Florist/-in schrittweise einstellen musste, stand das Unternehmen vor einem Dilemma. Bundesweit wuchs das Filialnetz, doch qualifiziertes Fachpersonal wurde knapper. Die Lösung fand sich zusätzlich zum üblichen Recruiting in einem Qualifizierungsmodell, das im Berufsbereich Floristik bis dahin bundesweit schlicht nicht existierte: die abschlussorientierte Teilqualifikation (TQ). Heute zeigt das Hamburger Pilotprojekt, wie Unternehmen, die Agentur für Arbeit, Jobcenter team.arbeit.hamburg und die DIHK Service GmbH gemeinsam einen neuen Weg in der Fachkräftegewinnung beschreiten können – übertragbar auf viele Branchen.

Vom größten Ausbilder zum TQ-Pionier

BLUME2000 wurde 1974 in Hamburg-Altona gegründet und ist heute Marktführer im filialisierten Blumeneinzelhandel in Deutschland. Mit mehr als 250 Filialen in über 250 Städten, rund 2.000 Beschäftigten und über 20 Millionen Kundinnen und Kunden pro Jahr ist das Unternehmen ein Schwergewicht der Branche. Lange Zeit war BLUME2000 auch der größte Ausbilder im Floristik-Handwerk bundesweit: Bis zu 180 Auszubildende absolvierten gleichzeitig an zehn Standorten die duale Ausbildung zum/zur Florist/-in.

Doch die Branche wandelte sich: Viele Betriebe stellten das Ausbilden ein, immer mehr Berufsschulklassen wurden mangels Schülerinnen und Schülern aufgelöst. „Die Auszubildendenzahlen in der Floristik sanken sukzessive und sehr dramatisch“, berichtet Christine Pommerehne, HR-Managerin bei BLUME2000 und seit elf Jahren im Unternehmen. Am Ende stand auch in Hamburg die Entscheidung, die duale Ausbildung aufzugeben.

Was viele als das Ende einer Ära betrachtet hätten, war für Pommerehne der Startschuss für eine intensive Suche nach Alternativen. Den entscheidenden Impuls lieferte ein Anruf bei Noreen Gloßmann, Referentin im Projekt Chancen Nutzen! bei der DIHK Service GmbH. „Floristik – super, gibt es noch gar nicht. Dann machen wir das jetzt!“, habe Gloßmann damals gesagt, berichtet die HR-Managerin. Gemeinsam entwickelten sie auf Basis des Rahmenlehrplans ein bundesweit gültiges TQ-Konzept für die Floristik, das erste seiner Art. Unterstützt wurden sie dabei von einem Netzwerk aus Berufsbildungsexpertinnen und -experten. Nach mehreren Abstimmungsrunden erhielt das Konzept schließlich auch die fachliche Prüfung durch das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB).

Was ist eine Teilqualifikation?

Eine Teilqualifikation gliedert einen anerkannten Ausbildungsberuf in mehrere einzeln zertifizierbare Module. Wer alle davon in sogenannten Kompetenzfeststellungsverfahren absolviert und dann vor der zuständigen Handelskammer eine Prüfung ablegt, erlangt einen vollwertigen Abschluss als Florist/-in. 

Das kann in Etappen erfolgen, das Besondere am BLUME2000-Modell war aber, dass alle Module ohne Unterbrechung hintereinander absolviert und die gesamte Qualifizierung in einem Zug finalisiert wurde. „Ich kenne wenige TQ-Projekte, die auf diese Weise einen vollständigen Fachberufsabschluss erzielen“, sagt Oliver Kubat vom Hamburger Jobcenter, der das Vorhaben gemeinsam mit seiner Kollegin Mahnas Shams-Azar begleitet hat. Die Förderung lief über die Fördergrundlagen nach § 81 und § 82 SGB III, die Teilnehmenden waren vorwiegend Jobcenter-Kundinnen und -Kunden.

Auswahl, Praxis, Integration: Ein aufwendiger Prozess

Der Pilot startete im Februar 2024. Gut ein Jahr zuvor hatte die Konzeptionsarbeit begonnen – mit Profilermittlung, Förderfähigkeitsprüfung, Auswahl eines Bildungsträgers und der Einbindung des gemeinsamen Arbeitgeber Service der Bundesagentur für Arbeit (g-AGS) und der Arbeitgeber-Schnittstellen-Koordination (ASK). Mit Infoveranstaltungen, Erstgesprächen, Praxistestungen und Sprachkompetenzfeststellungen wurde das Auswahlverfahren bewusst engmaschig gestaltet.

Als geeignete Kandidatinnen und Kandidaten galten Menschen mit einem Sprachniveau von mindestens B1 und einem Interesse an feinmotorischer Arbeit sowie an Blumen und Pflanzen. Besonders wichtig war jedoch die Lernbereitschaft. 

75 Prozent der Qualifizierungszeit verbrachten die angehenden Floristen und Floristinnen direkt in einer BLUME2000-Filiale, jede Person mit ihrer eigenen Ausbilderin oder ihrem eigenen Ausbilder. Die Auswahl der Filialen erfolgte sorgfältig nach Größe und Teamstruktur. Vorab durften die Kandidatinnen und Kandidaten in den jeweiligen Betrieb hineinschnuppern, eine Entscheidung wurde nach einem positiven Feedback gemeinsam mit den Ausbildenden getroffen.

Der Filialalltag mit frühem Arbeitsbeginn, hohem Kundentakt und multikulturellen Teams forderte alle Beteiligten. „Es war eine Realsituation, keine simulierte Situation in einem Klassenzimmer“, betont Pommerehne. Intensive Begleitung und regelmäßige Feedbackgespräche waren deshalb von Anfang an eingeplant. Die Erfahrung der Teilnehmenden, wirklich etwas leisten zu können, nennt die HR-Managerin als den vielleicht wertvollsten Effekt des gesamten Projekts: einen Selbstwirksamkeitsgewinn, der sich im Filialalltag verselbstständigt.

Gesellschaftliche Verantwortung und betrieblicher Nutzen

Die TQ-Gruppe war keine homogene Einheit. Neben Menschen mit Migrationshintergrund, unter anderem aus Armenien und dem Irak, durchliefen auch zwei Deutsche die Qualifizierung, denen der klassische Bildungsweg bis dahin versperrt geblieben war. Shams-Azar vom Jobcenter hebt hervor: „BLUME2000 hat damit einen gesellschaftlichen Auftrag angenommen, Menschen mit geringer Chance auf dem Arbeitsmarkt eine gute Perspektive zu geben.“ Für das Unternehmen bedeutet die Maßnahme nicht nur einen Imagegewinn, sondern auch handfeste betriebliche Vorteile: Alle Absolventinnen und Absolventen sind heute als qualifizierte Fachkräfte dauerhaft im Unternehmen angestellt und identifizieren sich mit ihrem Arbeitgeber.

Drei Erfolgsfaktoren

Aus dem Hamburger Pilotprojekt lassen sich drei zentrale Erfolgsfaktoren ableiten. Von zentraler Bedeutung war das Commitment aller Beteiligten: Das Modell funktionierte nur, weil BLUME2000, Agentur für Arbeit und Jobcenter team.arbeit.hamburg, Bildungsträger und DIHK Service GmbH von Anfang an dasselbe Ziel verfolgten. Als ebenso entscheidend erwies sich die individuelle Begleitung. Die intensive Betreuung durch Christine Pommerehne war laut Shams-Azar „außergewöhnlich wirkungsvoll und positiv für das gesamte Projekt“. Hinzu kam von Beginn an der Status als reguläre Mitarbeitende: Die Teilnehmenden wurden in den BLUME2000-Filialen sofort als Kolleginnen und Kollegen behandelt, was Respekt, Vertrauen und Identifikation schuf und das Modell fundamental von rein schulischen Maßnahmen unterschied.

BLUME2000 plant, auf den Erfahrungen des Piloten aufzubauen. Der Bedarf an qualifizierten Floristinnen und Floristen bleibt groß, das Filialnetz wächst weiter. Das TQ-Modell könnte eine tragende Rolle beim Schließen der bestehenden Lücken spielen – als Brücke zwischen einem Arbeitsmarkt voller ungenutzter Potenziale und einem Unternehmen, das mehr als Blumen verkauft.

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Christine Pommerehne BLUME2000 SE

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Mahnas Shams-Azar Jobcenter team.arbeit.hamburg

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Oliver Kubat Jobcenter team.arbeit.hamburg