Pfadnavigation

Monireh Jad Haj startet durch: Karriere dank Teilqualifikationen

Viele Wege führen zur beruflichen Integration. Für Monireh Jad Haj war eine Teilqualifikation das Sprungbrett in einen neuen Beruf – und in die Unabhängigkeit.
Monireh Jad Haj an ihrem Arbeitsplatz

Die Liebe war der Grund, dass die gebürtige Iranerin im Jahr 2006 aus Teheran nach Deutschland zog, um mit ihrem bereits in Hamburg ansässigen Mann einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen. Im Iran hatte die junge Frau zuvor im Reisebüro der Familie gearbeitet und ein Studium der Buchhaltung begonnen.

Nach der standesamtlichen Hochzeit begann Monireh Jad Haj unverzüglich damit, Deutsch zu lernen. Bereits in Hamburg fand sie eine erste Arbeitsstelle bei der Diakonie, wo sie bis zu ihrer zweiten Schwangerschaft Geflüchtete unterstützte. 

Nach ruppigem Anfang …

Die kluge und ehrgeizige junge Frau stellte bald fest, dass sie ohne Ausbildung und noch bessere Deutschkenntnisse hierzulande wenig berufliche Perspektiven hatte. Und "stetige Weiterentwicklung" war – und ist – ihr Ziel. Den Anstoß, ihre guten Vorsätze auch in die Tat umzusetzen, gab letztendlich ihr Vater, der sie bei einem Besuch in Hamburg dazu ermutigte, trotz Widerständen an ihren Zielen und Träumen festzuhalten. Oder alternativ, sich aus ihrer zunehmend schwierigen Ehe zu verabschieden, und in den Iran zurückzukehren.

Sie entschied sich fürs Bleiben und verbesserte sukzessive ihre Sprachkenntnisse. "Tag und Nacht habe ich gelernt". Nach dem Umzug der jungen Familie nach Köln begann sich Monireh Jad Haj über die Möglichkeit eine Ausbildung zu informieren – traute sich aber aufgrund ihrer schwierigen familiären Situation und ihrer sprachlichen Defizite eine reguläre Ausbildung nicht wirklich zu. Aber ihr "Wille war schon immer da".

… eine Chance dank Teilqualifikation

2014 wendete sich ihr Blatt: Ihre Ansprechpartnerin bei der Agentur für Arbeit machte sie auf das damals neue Kölner Bildungsmodell aufmerksam, ein wie für Jad Haj maßgeschneidertes Angebot. In diesem Modell engagieren sich unter anderem die Industrie- und Handelskammer (IHK), die Handwerkskammer, die Agentur für Arbeit sowie die Diakonie Michaelshoven, die als Bildungsträger die praktische Umsetzung der Bildungsmaßnahmen übernimmt.

Das Herzstück des Angebotes sind unabhängig voneinander zu absolvierende Teilqualifikationen (TQ), die jeweils mit einer Kompetenzfeststellung der IHK enden. Hat man die einzelnen TQ erfolgreich abgeschlossen, können die Kandidatinnen und Kandidaten zu einer externen Abschlussprüfung bei der IHK oder der Handwerkskammer zugelassen werden und so einen vollwertigen Berufsabschluss nachholen.

Jad Hajs Weg zur Fachlageristin

Monireh Jad Haj hatte ihren Startpunkt gefunden und absolvierte zur Vorbereitung zunächst das "Modul 0", in dem verschiedene Berufe vorgestellt werden. Sie entschied sich, gemeinsam mit nur einer anderen Teilnehmerin und deutlich mehr Männern, für den Beruf der Fachlageristin. In den folgenden zwei Jahren absolvierte sie alle fünf TQ mit "sehr gutem" Erfolg und schloss auch die externe Prüfung – trotz der zeitgleichen Trennung von ihrem Mann – bei der IHK mit der Note "1" ab. Nicht zuletzt wollte sie damit auch ihren Töchtern zeigen "dass es geht", dass man trotz widriger Umstände als Frau und Mutter Erfolge erreichen kann.

Zuspruch und auch praktische Unterstützung leistete dabei in erster Linie ihr Ausbilder bei der Diakonie Michaelshoven Arne Carpus, der ihr als persönlicher Ansprechpartner zur Verfügung stand, Mut machte und ihr insgesamt auf vielerlei Weise unter die Arme griff. Aber auch das engagierte Team bei der IHK Köln war ihr eine wichtige Stütze: Dort war und ist Elke Kahl für das Thema Teilqualifikationen zuständig – ein echtes Herzensthema für die ehemalige Lehrerin, der besonders daran liegt, Frauen zu fördern. Und dafür, so Kahl, sei das Instrument der TQ eine besonders geeignete Stellschraube.

Für die junge Mutter erwies sich indes insbesondere das Zeitmanagement als herausfordernd. Lösungen fand sie unter anderem dank Arne Carpus von der Diakonie. Aber auch sie selbst wurde aktiv: So verkürzte sie etwa ihre Wegezeiten durch Fahrradfahren – was sie gemeinsam mit ihrer älteren Tochter auch erst lernen musste.

Schwieriger Berufseinstieg mit gutem Ende

Aber selbst mit ihrem ausgezeichneten Berufsabschluss in der Tasche gestaltete sich ihr Berufseinstieg nicht reibungslos. Ganze zehn Monate schrieb sie dutzende Bewerbungen, führte Vorstellungsgespräche, wurde letztlich aber nicht eingestellt. Bis heute geht sie davon aus, dass das mit ihrer Situation als alleinerziehende Mutter zu tun hat. "Da sind Männer und Frauen nicht gleich."

Schließlich lud sie ein großer Logistiker am KölnBonner Flughafen zum Gespräch – und die Personaler waren von ihren Qualifikationen und ihrer Persönlichkeit so überzeugt, dass sie ihr einen Job anboten. Nach anfänglicher Nachtschicht wechselte sie in die Spätschicht. Inzwischen ist Jad Haj "Team Head" und führt, nicht ohne Gegenwind, eine ansonsten rein männliche Abteilung.

Und wie geht es weiter?

Aber Schluss ist hier nicht für die heute 42-Jährige: Zurzeit absolviert sie einen Englischkurs, denn die Beherrschung dieser Sprache ist für ihren weiteren Aufstieg wichtig. Dann wäre sie übrigens viersprachig, denn neben Deutsch und Englisch spricht sie auch Persisch und Arabisch. 

"Keiner kommt und fragt", bilanziert die ambitionierte Frau ihre Erfahrungen. "Man muss sich selbst kümmern." Gleichzeitig verweist sie aber auch auf die vielen Menschen, die ihr unter die Arme gegriffen haben – von ihrem Vater über ihren Betreuer bei der Diakonie Michaelshoven bis hin zu ihrer IHK-Beraterin Elke Kahl. 

"Ganz toll, wie Sie das alle gemeistert haben", sagt Jasna Rezo-Franze, Leiterin Fachkräfteentwicklung bei der IHK Köln. "Sie sind ein fantastisches Vorbild nicht nur für ihre Töchter."

"Ich bin noch nicht fertig", erwidert Jad Haj. Die beiden Fachfrauen Jasna Rezo-Flanze und Elke Kahl sind da ganz ihrer Meinung und empfehlen ihr eine Weiterbildung auf Bachelor-Niveau. Wir können also gespannt sein, wohin Jad Hajs Weg noch führt.

TQs bei der IHK Köln: Qualifiziert für mehr

Bei der IHK Köln nutzen jährlich rund 150 Teilnehmende die Möglichkeit im Rahmen von TQs schrittweise berufliche Kompetenzen zu erwerben und sich so für die externe Abschlussprüfung zu qualifizieren. "Aktuell werden TQs für die dreijährigen Ausbildungsberufe Fachkraft für Schutz und Sicherheit sowie Kaufmann/-frau für Büromanagement angeboten. Für zweijährige Ausbildungsberufe gibt es TQs für Verkäufer/-innen, Fachlagerist/-innen, Maschinen- und Anlagenführer/-innen sowie für Servicekräfte für Schutz und Sicherheit".

Kontakt

Kontakt Jasna Rezo-Flanze
Jasna Rezo-Flanze Leiterin Fachkräfteentwicklung