Veranstaltungsrückblick: Fachkräfteentwicklung durch Nachqualifizierung 18. Juni 2026
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Am 18. Juni fand in Berlin die Veranstaltung "Fachkräfteentwicklung durch Nachqualifizierung: Teilqualifikationen als Wegbereiter" statt.
Rund 250 Fachleute aus Wirtschaft, Politik, Kammern, Gewerkschaften, Arbeitsverwaltung und Bildungsträgern kamen am 18. Juni 2026 im Haus der Deutschen Wirtschaft in Berlin zusammen – dazu schalteten sich Hunderte weitere Interessierte per Livestream zu. Anlass war die Abschlussveranstaltung der derzeitigen Projektlaufphasen der vier vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) geförderten TQ-Projekte Chancen nutzen!, ETAPP, TQHW und BIBB-TQ.
Zentrales Ergebnis des Tages: Die Empfehlung des BIBB-Hauptausschusses zu Teilqualifikationen (TQ), verabschiedet im Dezember 2025, markiert einen politischen Meilenstein. Erstmals haben alle maßgeblichen Akteure – Sozialpartner, Kammern, Bundesministerien, Bundesagentur für Arbeit (BA) und Länder – gemeinsam verbindliche Qualitätsstandards und Konstruktionsprinzipien für TQ-Berufssets festgelegt. Die Veranstaltung machte deutlich: Die Grundlagen sind gelegt, jetzt kommt es auf die Umsetzung in der Fläche an.
Praxisbeispiele aus Unternehmen wie der Opel Group Warehousing GmbH, der SCHOLPP GmbH, der Gerresheimer AG, der Fischerei Müritz-Plau GmbH und der Standard-Metallwerke GmbH Werl sowie ein Beitrag aus der Justizvollzugsanstalt Bochum-Langendreer zeigten: TQ funktioniert in ganz unterschiedlichen Betriebsgrößen und Zielgruppen – wenn Begleitung, Netzwerk und Abschlussorientierung stimmen.
junge Erwachsene zwischen 25 und 34 Jahren haben keinen Berufsabschluss
Die Kernbotschaften des Tages
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1
TQ = Politische Einordnung
Im Kontext der Qualifizierungsoffensive bildet TQ einen wichtigen Baustein für die Transformation der Beruflichen Bildung. Deutschland kann es sich nicht leisten, Millionen an- und ungelernter Erwerbstätiger dauerhaft unterhalb ihres Potenzials zu beschäftigen. Das ist nicht nur eine wirtschaftliche Notwendigkeit, sondern Teil der Chancengerechtigkeit und gesellschaftlichen Teilhabe.
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2
TQ = Instrument für Beschäftigte, Arbeitslose und Unternehmen
TQ eröffnet Beschäftigten ohne Berufsabschluss und Unternehmen neue Perspektiven der Fachkräfteentwicklung. Auch Arbeitslose können von der schrittweisen Qualifizierung profitieren und den Einstieg in Beschäftigung schaffen.
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3
TQ = Netzwerkaufgabe
Damit TQ langfristig erfolgreich etabliert und umgesetzt werden kann, braucht es ein starkes regionales Netzwerk aus Kammern, Bildungsträgern, Arbeitsverwaltung und gegebenenfalls Personaldienstleistern. Bundesweite Empfehlungen bleiben wirkungslos, wenn die Koordination in der Fläche nicht gelingt.
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4
TQ = Qualifizierungschance einer wandelnden Gesellschaft
Gebrochene Bildungsbiografien und Zuwanderung sorgen dafür, dass immer mehr Menschen nicht die bisherige „Normalität“ der Beruflichen Bildung durchlaufen. TQ bietet die Chance, den Bildungsweg durch eine neue Spur zu verbreitern, mit individueller Beratung und Begleitung als Schlüsselelement.
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5
TQ = Standardisierung und Qualitätssicherung
Die BIBB-Hauptausschussempfehlung schafft verbindliche Qualitätsstandards für TQ und sendet damit Vertrauenssignale an alle Beteiligten, von Teilnehmenden über Unternehmen bis hin zu Prüfungsausschüssen. Sie ist ein wichtiger Meilenstein, dem jetzt die konsequente Umsetzung folgen muss
Ausblick
Die derzeitigen Förderlaufzeiten der vier TQ-Projekte enden am 30. September 2026. Die Arbeit an Teilqualifikationen geht jedoch weiter: Allen Projekten wurde die Förderung durch das BMBFSFJ für weitere drei Jahre zugesichert.
Im BIBB wird die TQ-Geschäftsstelle dauerhaft eingerichtet; die zentrale TQ-Datenbank ist bereits online. Die 76 beteiligten IHKs und eine wachsende Zahl von Handwerkskammern werden das Angebot weiter ausbauen.
Die entscheidende Aufgabe der nächsten Jahre liegt in der regionalen Verankerung: Bundesweite Standards müssen vor Ort in funktionierende Netzwerke übersetzt werden – mit klaren Zuständigkeiten, ausreichendem Angebotsvolumen und systematischer Beratung von Beschäftigten und Unternehmen.
Die Programmpunkte im Überblick
Nico Schönefeldt, Bereichsleiter Ausbildung beim DIHK, eröffnete die Veranstaltung mit einem Blick auf die Dringlichkeit des Themas: Über zwei Millionen junge Erwachsene zwischen 25 und 34 Jahren hätten keinen Berufsabschluss. Gleichzeitig könnten rund 36 Prozent der Unternehmen ihren Fachkräftebedarf nicht decken. TQ sei ein „tragfähiges Instrument“ und „zentraler Hebel der Fachkräftesicherung“.
Fachkräftesicherung ist eine Gemeinschaftsaufgabe.
Nico Schönefeldt, Bereichsleiter Ausbildung, DIHK
Dr. Bernd Rupprecht, Referatsleiter „Ordnung der Beruflichen Bildung; BIBB“ im BMBFSFJ, hob den politischen Stellenwert von TQ hervor: Sie seien ein zentrales Element der Qualifizierungsoffensive „Deutschland packt an“. Er dankte der TQ-Koordinierungsgruppe für ihre Arbeit an der Hauptausschussempfehlung.
Teilqualifikationen sind eines der zentralen Elemente der Qualifizierungsinitiative.
Dr. Bernd Rupprecht, Referatsleiter „Ordnung der Beruflichen Bildung, BIBB“, BMBFSFJ
Dr. Hendrik Biebeler, wissenschaftlicher Mitarbeiter im BIBB und künftiger Leiter der TQ-Geschäftsstelle, präsentierte Ergebnisse einer zweiwelligen BIBB-Unternehmensbefragung. Zentraler Befund: In 85 Prozent der Fälle geht der Anstoß zur Teilnahme an einer TQ von Vorgesetzten oder Kolleginnen und Kollegen im Betrieb aus – TQ ist damit stärker ein betrieblich getriebenes als ein individuell initiiertes Instrument.
In der Regel sind es die Vorgesetzten, die sagen: Wir glauben, Sie können mehr, schauen Sie doch mal, ob da was geht.
Dr. Hendrik Biebeler, wissenschaftlicher Mitarbeiter, BIBB
Thomas Besse, Bereichsleiter Kundenkernprozess Beschäftigte bei der BA, stellte Zahlen und Praxiserfahrungen vor. Die BA verzeichnete 2025 rund 40.000 Eintritte in abschlussorientierte Weiterbildung, davon etwa 16.000 in TQ-Maßnahmen. Besse sieht erhebliches Potenzial nach oben. Als ehemaliger Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Neubrandenburg war er an einem TQ-Pilotprojekt an der Mecklenburgischen Seenplatte beteiligt: Aus 800 geringqualifizierten Hilfskräften im Hotel- und Gaststättenbereich wurden Fachkräfte; die Berufsabschlussquote liegt bei über 90 Prozent.
Wir haben es an der Mecklenburgischen Seenplatte geschafft, aus 800 geringqualifizierten Hilfskräften im Hotel- und Gaststättenbereich Fachkräfte zu machen.
Thomas Besse, Bereichsleiter Kundenkernprozess Beschäftigte, Bundesagentur für Arbeit
Hier können Sie die Präsentation von Dr. Hendrik Biebeler und die Präsentation von Thomas Besse herunterladen.
Gerresheimer – Wenn Fachkräfte intern entstehen
Nicole Heimann, Global Head of Technical Education bei der Gerresheimer AG, startete mit einer zunächst ernüchternden Erfahrung: Ein klassisches Umschulungsangebot fand kaum Interessenten, weil die Hürde – zwei Jahre Vollzeitausbildung bei Lohneinbußen durch fehlende Schichtzuschläge – zu hoch war. TQ bot den entscheidenden Einstieg ohne Risiko.
TQ ist ein riesiges Erfolgsmodell für uns – und kann es auch für viele Firmen sein, die ähnlich aufgestellt sind: klassische Mittelständler unterm Konzerndach.
Nicole Heimann, Global Head of Technical Education & Workforce Qualification, Gerresheimer AG
Jasmin Seidl, ausgebildete Kinderpflegerin, arbeitet seit neun Jahren bei Gerresheimer und absolvierte eine TQ zur Kunststoff- und Kautschuktechnologin. Die Entscheidung fiel ihr leichter als eine klassische Umschulung: Die Maßnahme dauerte nur zehn Monate, das Gehalt blieb gesichert. Zum Zeitpunkt der Veranstaltung bereitete sie sich auf die Winterprüfung vor der IHK vor.
Durch die TQ konnte ich mir anschauen, ob das wirklich was für mich ist und nach zwei Monaten stand für mich fest: Ich mache weiter.
Jasmin Seidl, TQ-Absolventin, Gerresheimer Regensburg GmbH
JVA Bochum-Langendreer – TQ in ungewohnter Lernumgebung
Christian Goos, Koordinator „Handwerk im Hafthaus“ und Ausbildungsleiter in der JVA Bochum-Langendreer, erläuterte ein bundesweit einzigartiges Pilotprojekt: Arbeitgeber werden in die Einrichtung geholt, um Inhaftierten bereits während der Haft Berufsperspektiven zu eröffnen. TQ wird dabei zur Behandlungsmaßnahme – besonders für Menschen, denen für eine vollständige Ausbildung die Zeit fehlt.
Wir machen als Gefängnis die Türen auf. Nicht um die Gefangenen rauszulassen, sondern um die Arbeitgeber reinzuholen.
Christian Goos, Koordinator Handwerk im Hafthaus, JVA Bochum-Langendreer
Fischerei Müritz-Plau – Fischer werden zu Verkäufern
Dennis Marusch, Prokurist der Fischerei Müritz-Plau GmbH, berichtete von dem genannten TQ-Erfolg von der an der Mecklenburgischen Seenplatte. Die größte Herausforderung: Fischer, die jahrzehntelang kaum Kundenkontakt hatten, für Verkaufs- und Gastronomieberufe zu gewinnen. Das Ergebnis überraschte: Der Notendurchschnitt der Teilnehmenden übertraf den Landkreisdurchschnitt im Verkäuferbereich.
Fischer zu Verkäufern, Touristikern und Entertainern zu entwickeln – das müssen Sie als Unternehmen intensiv begleiten. Wichtig ist: anfangen und sich von den ersten Niederlagen nicht entmutigen lassen.
Dennis Marusch, Prokurist, Fischerei Müritz-Plau GmbH
Standard-Metallwerke Werl – Die Betriebsrätin als Vorbild
Julia von den Berg absolviert selbst eine TQ im Metallbereich und ist gleichzeitig Betriebsrätin bei Standard-Metallwerke Werl. Sie berichtete, wie sie Kolleginnen und Kollegen die häufig vorhandene Prüfungsangst nimmt – indem sie den Schritt selbst gegangen ist. Das Unternehmen setzt TQ seit 2015 ein; 33 Beschäftigte haben bisher erfolgreich teilgenommen.
Weiterbildung ist immer Fachwissen – und Fachwissen ist immer Selbstvertrauen.
Julia von den Berg, TQ-Teilnehmende und Betriebsrätin, Standard-Metallwerke Werl GmbH
Die Projektleitungen der drei geförderten TQ-Projekte zogen Bilanz: 32 TQ-Berufssets wurden inzwischen auf der BIBB-TQ-Website veröffentlicht, 17 weitere sind in Vorbereitung. Über 6.000 Downloads der Berufssets verzeichnete die Website www.chance-tq.de seit ihrem Start vor eineinhalb Jahren. 76 IHKs beteiligen sich aktiv am TQ-Angebot.
Wir hatten in den Bildungswerken der Wirtschaft schon 2013 die Vision einer Vereinheitlichung – und wir haben es jetzt geschafft, diese Idee auf eine bundeseinheitliche Ebene zu heben.
Uwe Bies-Herkommer, Projekt ETAPP, Leitung Geschäftsfeld Berufliche Qualifizierung und Rehabilitation, Bildungswerk der Baden-Württembergischen Wirtschaft
Antje Baier beobachtete ein deutlich gestiegenes Unternehmensinteresse, das sie direkt auf die Einführung verbindlicher Standards zurückführt: Qualitätsgesicherte, abschlussorientierte TQs geben Betrieben die Gewissheit, dass am Ende tatsächlich ein Berufsabschluss erreichbar sei. Das Berufsfeld habe sich derweil erheblich ausgeweitet – von zweijährigen Berufen wie Fachlagerist bis zu kaufmännischen Profilen wie Kaufmann E-Commerce und Fachinformatiker, die inzwischen stark nachgefragt seien. Für die nächste Förderphase nannte sie als zentrales Ziel, TQs für Unternehmen noch einfacher zugänglich zu machen.
Die eigentlichen Erfolge sind die vielen kleinen Geschichten: der Koch, der mit 59 Jahren in Neubrandenburg Industrieelektriker geworden ist.
Antje Baier, Projektleitung „Chancen nutzen!“, DIHK Service GmbH
Michael Saal vom Zentralstelle für die Weiterbildung im Handwerk (ZWH) beschrieb die Besonderheiten des Handwerksprojekts: Kleinstbetriebe benötigen breitere Tätigkeitsfelder, der Ableitungsprozess muss auf die Handwerksstrukturen zugeschnitten sein. Fünf TQ-Berufssets wurden entwickelt, vier weitere befinden sich in Arbeit.
TQ erklärbar und transferfähig zu machen – das war unsere eigentliche Arbeit im Handwerk.
Michael Saal, Projekt TQHW, wissenschaftlicher Mitarbeiter, ZWH – Zentralstelle für die Weiterbildung im Handwerk
Dr. Petra Bahr, Staatssekretärin im Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, eröffnete den Nachmittag mit einem politischen Impuls und anschließendem Gespräch. Ausgangspunkt: 2,7 Millionen junge Menschen haben keinen Berufsabschluss – eine Zahl, die sie nicht nur als bildungspolitische, sondern auch als gesellschaftliche Herausforderung bewertete. Bahr skizzierte drei Schwerpunkte des Ministeriums: Berufsorientierung stärken, Qualifizierungsoffensive „Deutschland packt an“ vorantreiben und bundesweite Standardisierung durch eine TQ-Datenbank beim BIBB.
Auf die Frage, wie viel Verbindlichkeit das System brauche, betonte Bahr: Gute Ziele und messbare Standards erzeugen Beweglichkeit, weil sie Korrekturen ermöglichen. Deutschland müsse lernen, im Bildungsbereich evidenzbasierter zu handeln.
Zum ersten Mal seit Inkrafttreten der BIBB-Hauptausschussempfehlung diskutierten alle zentralen institutionellen Akteure gemeinsam über die Zukunft von TQs in Deutschland. Die Runde war sich einig: Der Meilenstein ist erreicht – jetzt zählt die Umsetzung.
Dr. Catrin Hannken – Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend
Die Abteilungsleiterin „Berufliche Bildung und lebenslanges Lernen“ betonte, dass die Empfehlung Papier bleibt, solange sie nicht in Bildungswerken, bei Trägern und in Unternehmen ankommt. Die nächsten Schritte seien Information, Beratung, Förderung – und die Bereitschaft aller Partner, gemeinsam voranzugehen.
Maike Bielfeldt – IHK Hannover
Die Hauptgeschäftsführerin der IHK Hannover und langjährige Patin des Projekts "Chancen Nutzen!" machte deutlich, wie viel noch auf dem Weg zu breiter Bekanntheit zu tun sei. Bei eigenen Informationsveranstaltungen begegnen IHKs immer wieder Unternehmen, die von TQs noch nie gehört haben. Sie verwies auf das Beispiel Continental: über 3.000 TQs durchgeführt, 650 vollwertige Berufsabschlüsse erzielt.
Mit TQ haben wir ein tolles Instrument, das niedrigschwellig ist und funktioniert. Wenn sie erst mal loslegen, sind alle total begeistert.
Maike Bielfeldt, Hauptgeschäftsführerin, IHK Hannover
Elke Hannack – Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB)
Die stellvertretende DGB-Vorsitzende lieferte eine der pointiertesten Einordnungen des Tages: Bisher habe die große Mehrheit der TQ-Teilnehmenden nur eine einzige Teilqualifikation absolviert – und sei dann gering qualifiziert geblieben. Genau dafür brauche es die Abschlussorientierung der Hauptausschussempfehlung. Gewerkschaftliches Kernanliegen: Bildungsanbieter müssen künftig vollständige Berufssets anbieten, nicht nur einzelne Module. Dazu sei erstmals auch ein automatisches Recht auf den nächsten TQ-Schritt nötig.
Wir wissen, dass bis auf wenige Ausnahmen die meisten nur eine einzige Teilqualifikation gemacht haben und dann rausgegangen sind. Damit bleiben Teilqualifizierte auch gering qualifiziert.
Elke Hannack, stellvertretende Vorsitzende, Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB)
Christina Ramb – Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA)
Das BDA-Mitglied der Hauptgeschäftsführung betonte die Bedeutung von TQs für die Transformation der Wirtschaft: Unternehmen, die keine Fachkräfte mehr finden, können über TQs Menschen einstellen und berufsbegleitend weiterentwickeln. Entscheidend sei die Betriebsnähe: Je konkreter TQs auf den Bedarf eines Betriebs zugeschnitten seien, desto erfolgreicher verlaufe die Umsetzung.
TQ ist immer dann besonders erfolgreich, wenn es so nah an den Bedarfen der Unternehmen ist wie irgendwie möglich.
Christina Ramb, Mitglied der Hauptgeschäftsführung, Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA)
Daniel Terzenbach – Bundesagentur für Arbeit (BA)
Der BA-Vorstand Regionen verteidigte den frühen Einsatz der BA für TQs – trotz anfänglich uneinheitlicher Qualitätsstandards. Wichtiger sei es gewesen, überhaupt zu handeln, als auf Perfektion zu warten. Für die Zukunft forderte er, TQ systematisch in die regionale Bildungszielplanung zu integrieren und die Beraterinnen und Berater der BA zu befähigen.
Es ist besser, etwas nicht Perfektes getan zu haben, als gar nichts getan zu haben.
Daniel Terzenbach, Vorstand Regionen, Bundesagentur für Arbeit
Dr. Volker Born – Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH)
Der Bereichsleiter Berufliche Bildung beim ZDH räumte ein, dass das Handwerk beim Thema TQ ein Spätstarter war, sieht darin aber keinen Nachteil. 220.000 unbesetzte Fachkraftstellen im Handwerk machten deutlich, dass Alternativen zur dualen Ausbildung dringend nötig seien. Entscheidend für das Vertrauen in TQ seien klare Standards, die drei Zielgruppen Orientierung geben: Teilnehmenden, Unternehmen und Prüfungsausschüssen.
Mit den Qualitätsstandards senden wir Vertrauen in alle Richtungen: zu den Teilnehmenden, zu den Unternehmen und zu den Prüfungsausschüssen. Nur mit Vertrauen werden wir das Kind zum Laufen bringen.
Dr. Volker Born, Bereichsleiter Berufliche Bildung, Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH)
Am Nachmittag berichteten drei weitere Praxisvertreter, wie TQ in ihren Betrieben beziehungsweise Kammerbezirken eingesetzt werden und was sie für die Zukunft erwarten.
Sebastian Petrin – Opel Group Warehousing GmbH
Sebastian Petrin, Apprenticeship Manager bei der Opel Group Warehousing GmbH, beschrieb einen konsequent abschlussorientierten Ansatz: Das Unternehmen bildet als eigener Bildungsträger aus und hat acht TQ-Maßnahmen erfolgreich abgeschlossen. Zielgruppe sind nicht eigene Beschäftigte, sondern Arbeitsuchende, die über TQ zunächst in Beschäftigung treten und idealerweise den vollständigen Berufsabschluss erwerben.
Wenn Betrieb und alle Akteure gemeinsam an einem Strang ziehen – das schafft Erfolg.
Sebastian Petrin, Apprentice Ship Manager, Opel Group Warehousing GmbH
Steffen Kühn – SCHOLPP GmbH
Steffen Kühn, Geschäftsführer der Chemnitzer SCHOLPP GmbH, beschrieb einen ungewöhnlichen Einstieg: Sein Unternehmen nahm 2022 ukrainische Kriegsgeflüchtete auf, erkannte ihr Potenzial und gründete kurzerhand eine eigene Betriebsakademie. Heute beschäftigt er rund 35 Menschen, die über TQ ihren Weg ins Berufsleben gefunden haben.
Die Wirtschaft braucht die Teilqualifikation. Ohne sie kommen wir nicht mehr richtig voran.
Steffen Kühn, Geschäftsführer, SCHOLPP GmbH
Thomas Röhrle – Handwerkskammer für Schwaben
Thomas Röhrle, Teamleiter Ausbildungsberatung der HWK Schwaben, berichtete vom bevorstehenden Start des ersten TQ-Projekts in seiner Kammer: Nach intensiver Sondierung in 30 Betrieben und einer Kick-off-Veranstaltung im Mai 2026 startet der erste Kurs im November. 1.600 Elektrobetriebe im Kammerbezirk wurden eingeladen.
Es lohnt sich, den Mut zu haben, neue Projekte zu starten – auch als Kammer.
Thomas Röhrle, Teamleiter Ausbildungsberatung, Handwerkskammer für Schwaben
Mario Patuzzi, Referatsleiter Grundsatzfragen der Aus- und Weiterbildung beim DGB-Bundesvorstand und Ko-Vorsitzender der BIBB-Hauptausschuss-AG TQ, sowie Dr. Barbara Dorn, Abteilungsleiterin Bildung bei der BDA und Mitglied derselben Arbeitsgruppe, erläuterten Entstehung und Reichweite der Empfehlung.
Die Empfehlung, seit Mai 2024 erarbeitet und im Dezember 2025 verabschiedet, legt erstmals für alle Akteure verbindliche Konstruktionsprinzipien und ein standardisiertes Verfahren zur Ableitung von TQ-Berufssets fest. Beteiligt waren neben Sozialpartnern und Kammern auch drei Bundesministerien, die BA und Ländervertreter. Wichtigste Neuerung: Pro Ausbildungsberuf soll künftig nur ein TQ-Berufsset existieren.
Mit der BIBB-Hauptausschussempfehlung haben wir eine echte Chance, dass TQ jetzt wirklich Wind unter die Flügel kriegt.
Dr. Barbara Dorn, Abteilungsleiterin Bildung, Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA)
Mario Patuzzi betonte, dass der DGB sich auf dieses Experiment eingelassen habe, weil die Abschlussorientierung strukturell verankert sei. Die nächste Aufgabe: sicherstellen, dass vollständige Berufssets angeboten würden, nicht nur einzelne TQs.
Nur wenn wir vollständige TQ-Berufssets anbieten, kommen TQs aus der Sackgasse heraus. Das ist, wofür wir jetzt besonders verantwortlich sind.
Mario Patuzzi, Referatsleiter Grundsatzfragen der Aus- und Weiterbildung, DGB-Bundesvorstand
Hier finden Sie die Empfehlung der BIBB-Hauptausschuss-AG TQ
Dr. Bernd Rupprecht ordnete den Tag abschließend ein. Das Positivste sei gewesen, dass alle Beteiligten – Praxisvertreter, Politik, Sozialpartner – bereit seien, TQ aktiv voranzubringen. Er rief alle Anwesenden auf, das Instrument im eigenen Umfeld sichtbar zu machen:
Reden Sie mit allen über TQ – auf der Grillparty, im Büro, beim Mittagessen. Dann kriegen wir es in die Breite.
Dr. Bernd Rupprecht, Referatsleiter „Ordnung der Beruflichen Bildung, BIBB“, BMBFSFJ