Dr. Catrin Hannken (BMBFSFJ), Maike Bielfeldt (IHK Hannover), Elke Hannack (DGB), Christina Ramb (BDA), Daniel Terzenbach (BA), Dr. Volker Born (ZDH)
Podiumsdiskussion: Teilqualifikationen als ein Hebel der Fachkräftesicherung
Zum ersten Mal seit Inkrafttreten der BIBB-Hauptausschussempfehlung diskutierten alle zentralen institutionellen Akteure gemeinsam über die Zukunft von TQ in Deutschland. Die Runde war sich einig: Der Meilenstein ist erreicht – jetzt zählt die Umsetzung.
Dr. Catrin Hannken – Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend
Die Abteilungsleiterin „Berufliche Bildung und lebenslanges Lernen“ betonte, dass die HA-Empfehlung Papier bleibe, solange sie nicht in die Praxis umgesetzt werde, insbesondere in Bildungswerken, bei Trägern und in Unternehmen. Die nächsten Schritte seien Information, Beratung, Förderung – und die Bereitschaft aller Partner, gemeinsam voranzugehen.
Es ist ein wichtiger Meilenstein erreicht worden, aber der Weg geht weiter. Das Gute ist: Wir gehen alle gemeinsam auf diesem Weg und in die gleiche Richtung.
Dr. Catrin Hannken, Abteilungsleiterin „Berufliche Bildung und lebenslanges Lernen“, BMBFSFJ
Maike Bielfeldt – IHK Hannover
Die Hauptgeschäftsführerin der IHK Hannover und langjährige Patin des Projekts "Chancen Nutzen!" machte deutlich, wie viel noch auf dem Weg zu breiter Bekanntheit zu tun sei. Bei eigenen Informationsveranstaltungen begegnen IHKs immer wieder Unternehmen, die von TQ noch nie gehört haben. Sie verwies auf das Beispiel Continental: über 3.000 TQs durchgeführt, 650 vollwertige Berufsabschlüsse erzielt.
Mit TQ haben wir ein tolles Instrument, das niedrigschwellig ist und funktioniert. Wenn sie erst mal loslegen, sind alle total begeistert.
Maike Bielfeldt, Hauptgeschäftsführerin, IHK Hannover
Elke Hannack – Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB)
Die stellvertretende DGB-Vorsitzende lieferte eine der pointiertesten Einordnungen des Tages: Bisher habe die große Mehrheit der TQ-Teilnehmenden nur eine einzige Teilqualifikation absolviert – und sei dann gering qualifiziert geblieben. Genau dafür brauche es die Abschlussorientierung der Hauptausschussempfehlung. Gewerkschaftliches Kernanliegen: Bildungsanbieter müssen künftig vollständige Berufssets anbieten, nicht nur einzelne Module. Dazu sei erstmals auch ein automatisches Recht auf den nächsten TQ-Schritt nötig.
Wir wissen, dass bis auf wenige Ausnahmen die meisten nur eine einzige Teilqualifikation gemacht haben und dann rausgegangen sind. Damit bleiben Teilqualifizierte auch gering qualifiziert.
Elke Hannack, stellvertretende Vorsitzende, Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB)
Christina Ramb – Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA)
Das BDA-Mitglied der Hauptgeschäftsführung betonte die Bedeutung von TQ für die Transformation der Wirtschaft: Unternehmen, die keine Fachkräfte mehr finden, können über TQs Menschen einstellen und berufsbegleitend weiterentwickeln. Entscheidend sei die Betriebsnähe: Je konkreter TQ auf den Bedarf eines Betriebs zugeschnitten seien, desto erfolgreicher verlaufe die Umsetzung.
TQ ist immer dann besonders erfolgreich, wenn es so nah an den Bedarfen der Unternehmen ist wie irgendwie möglich.
Christina Ramb, Mitglied der Hauptgeschäftsführung, Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA)
Daniel Terzenbach – Bundesagentur für Arbeit (BA)
Der BA-Vorstand Regionen verteidigte den frühen Einsatz der BA für TQ – trotz anfänglich uneinheitlicher Qualitätsstandards. Wichtiger sei es gewesen, überhaupt zu handeln, als auf Perfektion zu warten. Für die Zukunft forderte er, TQ systematisch in die regionale Bildungszielplanung zu integrieren und die Beraterinnen und Berater der BA zu befähigen.
Es ist besser, etwas nicht Perfektes getan zu haben, als gar nichts getan zu haben.
Daniel Terzenbach, Vorstand Regionen, Bundesagentur für Arbeit
Dr. Volker Born – Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH)
Der Bereichsleiter Berufliche Bildung beim ZDH räumte ein, dass das Handwerk beim Thema TQ ein Spätstarter war, sieht darin aber keinen Nachteil. 220.000 unbesetzte Fachkraftstellen im Handwerk machten deutlich, dass Alternativen zur dualen Ausbildung dringend nötig seien. Entscheidend für das Vertrauen in TQ seien klare Standards, die drei Zielgruppen Orientierung geben: Teilnehmenden, Unternehmen und Prüfungsausschüssen.
Mit den Qualitätsstandards senden wir Vertrauen in alle Richtungen: zu den Teilnehmenden, zu den Unternehmen und zu den Prüfungsausschüssen. Nur mit Vertrauen werden wir das Kind zum Laufen bringen.
Dr. Volker Born, Bereichsleiter Berufliche Bildung, Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH)